Es geht um die Anfänge der Ökosteuer auf Mallorca 2001

Achtung nur ein ENTWURF

2001
M. Xenos
Drama

Hurensöhne, Ehrenbürger.

Untertitel, Titel für Spanien :
Fills de putes, hijos ilustres

Moderatorin: „Nicht alles in diesem Stück ist frei
erfunden.“

Titelseite/Vorhang/Szene: Start von Papierflugzeugen, ähnlich dem Bild im Flughafen von Palma.
Schauspieler werfen Papierflugzeuge in die Luft, ins Publikum.

Titelmusik und Leitmotiv Mallorkoli, Mallorkolá
(wie Pavarotti in der Aufnahme des neapolitanischen Volksliedes Funiculí, Funiculá)
Moderatorin dirigiert, gibt das Kommando.

Chor
Vamos, vamos, a Palma, vamos ya,
Mallorkolí, Mallorkolá, Mallorkolí, Mallorkolá,
a Palma vamos ya, Mallorkolí, Mallorkolá.

Solo
Heute Abend nehm ich das Flugzeug, Nanetta, weißt Du wohin? Dorthin, wo Dein hartes, grausames Herz mich nicht erreichen kann! Dorthin, wo die Sonne brennt. Doch wenn Du fliehst, Verschont Sie Dich. Und rennt nicht hinter Dir her oder zerstört Dich mit einem Strahl.

Solo

Vamos, vamos, a Palma, vamos ya,
Mallorkolí, Mallorkolá, Mallorkolí, Mallorkolá,
a Palma vamos ya, Mallorkolí, Mallorkolá.

Chor
Vamos, vamos, a Palma, vamos ya,
Mallorkolí, Mallorkolá, Mallorkolí, Mallorkolá,
a Palma vamos ya, Mallorkolí, Mallorkolá.

Sie nimmt das Flugzeug, seht doch, sie fliegt, hasta Palma ya. Sie flog und drehte um und kam zurück und steht jetzt still. Die Sonne dreht sich um Dich herum, um Dich herum. Mein Herz singt immerfort von dem Tag, an dem wir Mann und Frau sein werden.

Solo
Vamos, vamos, a Palma, vamos ya,
Mallorkolí, Mallorkolá, Mallorkolí, Mallorkolá,
a Palma vamos ya, Mallorkolí, Mallorkolá.

Chor
Vamos, vamos, a Palma, vamos ya,
Mallorkolí, Mallorkolá, Mallorkolí, Mallorkolá,
a Palma vamos ya, Mallorkolí, Mallorkolá.

Personen, Namen

Moderatorin Stellt Vor:
Autor
Verleger
Moderatorin
GI’S
Priester
Rabbi
Anwalt
Wirt
Kellnerin
1. Sprayer
Minister
Besitzerin der Libreria
Dt. Touristen
Heraklit
Polizist
Demonstranten
Eigentümer der Biergärten
N’Antonia
Journalisten
Barmann
Makler

Romeo
Aurelio
N’Andrea
Sierra
Nadal
2. Sprayer
Mall. Madchenchor
Autor und Verleger streiten sich.

Moderatorin, eine Spanierin vom Festland, legt den Finger
an den Mund: „Pssst! Wir befinden uns auf der isla de la
calma.”1
A unbeeindruckt.: „Der amerikanische Flugzeugträger Vor
Palma gehört dazu, der kommt auf jeden Fall ins Bühnenbild.“

Glos verlassen gerade den Flugzeugträger auf dem Fallreep.

V.: „Aufgar keinen Fall. Diese Verbrecher haben hier
nichts zu suchen.“

Der Priester, der Rabbi, ein Anwalt auf dem Deck des Flugzeugträgers lassen sich von dem Disput nicht beeindrucken, Spielen weiter Karten.

Der Priester: „Haben Sie das gehört?“

Anwalt: „Das ist in jedem Hafen so, daß einer randaliert.“

1 Anm.: „Insel der Stille“

A. an V.: „Ist das wirklich wahr?“
V.: Was?“
A.: „Daß Ihr Presseleute alle antisemitisch seid.“
V.: „Wie kommen Sie denn darauf?“
A.: „Das wissen Sie nicht? Denken Sie doch an den Golf
krieg, nach dem Überfall des Irak auf Kuwait, an die Scudraketen auf Israel.“
V.: „Ja, wieso?“
A.: „Für Euch war doch Bush der Kriegsverbrecher.“
V.: „Ja, aber in ganz anderen Zusammenhang.“
A.: „In Deutschland ging das so ab: Bush in einer Karikatur
als Schlächter auf einem LKW.“
V.: „Da Sehen Sie.“
A. : „Die Presse war zu 100 % gegen den Einsatz der Amerikaner im Golfkrieg, die Bevölkerung zu 100 % dafür.“

V.: „So ist das. Wir machen die Meinung.“
A.: „Wirklich?“
In der Tat, dachte der Autor, die Amerikaner konnten nur sehen, was die Presse im Ausland schrieb. Die konnten nicht ahnen, daß man dort die Dinge in der Bevölkerung ganz anders sah.
A.: „Wenn Sie Ihre Journalisten besser bezahlen, dann
stimmt auch die Berichterstattung.“
V.: „Davon glaube ich kein Wort. Sind sie Kommunist?“
V. für sich: „Was weiß denn der Autor. Nur ein hungriger
Journalist beißt.“
A.: „Darum geht es nicht, um das Beißen.“
V.: „Aber wie. There is no news but bad news.“
A.: „Ach ja.“

V.: „Überlegen sie doch einmal. Im Sommerloch hat der
deutsche Spiegel seine Mallorcastory in dreifacher Auflage verkauft.“
A.: „Ich erinnere mich. Die Titelstory hieß Mallorca: Das
bessere Deutschland.“
V.: „Positive Auswirkungen des Mallorcatourismus …“
A: „kommen in der Spiegelstory nicht vor.“
V.: „Man wollte Verkaufen. Drei Auflagen sind mehr als
keine.“
A.: „Ah. Das geben Sie also zu, daß es auch Positives zu
vermelden gäbe.‘
V.:„Ja. Sperren Sie doch einmal die Augen auf.“

Porchada de Sa Torre einblenden. Gedränge im Eingang. Schwein am Spieß.

Moderatorin: Der Wirt sagt: , No tengo la cabeza solo para llevar el sombrero.“<sup>2</sup>

A.:„Früher war um 19 Uhr im Landgasthof tote Hose.“
V.:„Um diese Zeit kam kein Mensch. Heute ist die Porchada zu dieser Zeit brechend Voll, Deutsche mit ihren Familien und Kindern.“
A.:„Warum berichten Sie denn das nicht oder El pais?“
V.:„Dann könnten wir doch keinen palo gordo verhängen,
also mit dem Prügel tadeln, wenn wir, der Spiegel oder sonst wer das täten.“
A.:„Sie würden allenfalls rügen…“
V.:„…daß sich die Deutschen nicht an die mallorkinischen
Essenszeiten halten.“
2* Anm.: “Ich habe den Kopf nicht nur, um den Hut zu tragen.

A.: „Also, was der palo gordo für die unbotmäßigen Deutschen, ist in Wahrheit ein zusätzliches Geschenk für den mallorkinischen Wirt.“
V.: „Na klar, aber das will keiner wissen.“
A.: „Das sind jetzt sogar drei turnos, also drei Schichten.“
Eine mallorkinische Kellnerin: „Zuerst kommen die Deutschen zum Essen, um 7, um halb zehn die Mallorkiner und um 11 die Spanier. Puh.“
Die Kellnerin sieht müde aus.
V.: „Vergessen Sie hier nicht die Engländer.“
Moderatorin entgeistert: „Was macht der Mann da?“
Ein Sprayer betritt die Bühne, macht sich mit einer Sprühdose zuschaffen, sprüht auf ein großes weißes Schild der Balearenregierung:
„Forastes fills deputes.“<sup>3</sup>
3 Anm.: „Fremde, Hurensöhne“

V. zu A.:„Sehen Sie, das ist eine Nachricht. Das lasse ich
zunächst einmal so im Raum stehen.“
A.: „Der Ministerpräsident der Balearen hat von einem
deutschen Nachbarn in Algaida berichtet. Der hat ihm einmal mit dem Auto geholfen .“
V.: „Das müssen wir vom Deutschen schon verlangen. Jeden Tag eine gute Tat. Wenn nicht, fuera, das heißt, raus, oder besser die Ecotassa.“
A.: „Was ist das denn?“
V.: „Eine Art Umweltsteuer. Das ist die Eintrittskarte, wenn
jemand Mallorca besucht.“
A.: „Eine Fremdensteuer muß ja bei den Einheimischen gut
ankommen.“
V. Zu sich selbst: „Die streiten sich jetzt darum, ob man den
Touristen pro Nase und Übernachtung einen Euro zusätzlich abverlangt.“
A.: „Die Regierung ist dafür, die Hoteliers sind dagegen?“

V.: „Ob das gut gehen kann, Wer weiß das Schon. Aber das spült 120 Millionen in die Regierungskasse der Balearen.“
A.: „Pro Jahr! Kommt der Ministerpräsident, der die Debatte um die Okosteuer anstieß, ist der nicht aus Argentimien?“
V.: „Es kommt auf die innere Einstellung an, ob man foraster, Fremder, ist oder nicht.“
A.: „Wirklich? Da macht Ihr Schon einmal eine Ausnahme,
wenn das der guten Sache nützlich ist.“
V.: „Das müssen Sie doch zugeben. Bereits in der Körpersprache ist unser Ministerpräsident jeder Zoll ein Mallorkiner.“
A.: „Schon wahr. Der stellt sich schon im Foto in Positur,
jeden Zentimeter gegen die Zentralregierung in Spanien gerichtet.“

V.: „Ah, Sie meinen das Foto des Ministerpräsidenten der Balearen, wo dieser mit dem Tourismusminister der Zentralregierung zusammentrifft.„
A.: „Der Spanische Minister für Tourismus, der ist aber wiederum wirklich Mallorkiner, Oder?“
Die Bühne betritt ein Minister der Balearenregierung, ein Mikrofon für die Pressekonferenz in der Hand, deklamiert wütend mit lauter Stimme:
„Wer wirklich wegen eines Euro am Tag wegbleibt, soll sich doch woanders betrinken und die Polizei mit Flaschen bewerfen.“
A. zu V.: „Habt Ihr einmal darüber nachgedacht, wie Ihr
den Fremdenhaß wieder wegbekommt, den Ihr jetzt sät?**
V. beschwichtigend: „Sie brauchen keine Angst zu haben,
daß wir die Einführung des Euro gegen die Fremden
münzen, sozusagen als eine Art ‚Xenóphobo‘.“
** Anm.: „Fremdenfeindlicher“

A.: „Dann gute Nacht Europa. Ein Euro mit der Prägung
‚Xenóphobo‘.“
A. schüttelt sich.
Pause/Umräumen

Xenophobíe, Xenophobá musikalisch einspielen.
Auftritt ein Journalist und singt.

Solo
Ich bin der periodista, der Größte aller periodistas, und gratuliere mir zu meinem Glück.

Chor
Tun wir’s, tun wir’s, auf die Spitze treiben wir’s, Xenophobíe, Xenophobá, Xenophobíe, Xenophobá, auf die Spitze treiben wir’s, Xenophobíe, Xenophobá.

Solo
Heute Nacht bewaffne ich mich mit der Feder, turista, weißt Du warum?
Ich ziele dorthin, wo ich Dich treffen, wo ich Dich treffen kann.

Schon in El pais triumphiert der periodista:
Acaban siendo los turistas, primordialmente,
quienes se convierten para deleite de los indígenas.
Lo que he escrito, el turista regado,
el extranjero empapado de medio
a medio por mi pluma, por mis manchas de tinta.

Der gran periodista schüttet einen Eimer Tinte über den Ausländer aus.

Hier hast Du, was Du verdienst, extranjero, Tinte über Dich.
Die political correctness, heute gehört sie mir.

Chor
Die political correctness, heute gehört sie ihm.

Filmbilder wie aus der Stummfilmzeit einblenden.

A.:„Die Szene in der Libreria, Sie wollten dazu…..“
V. unterbricht:„Also, die Szene in der Libreria, im Zeitungsladen lasse ich gelten.“
A.:„Die Besitzerin ist zu recht empört …“
V.:„klar, wenn der deutsche Spiegel den Eindruck erweckt,
Mallorca wäre Deutschland.“
A.:„Vor Jahren hieß es, Mallorca, das 17. Bundesland
Deutschlands.“
V.:„Für die Zeitungen war das ein gefundenes Fressen, wie Sie sich denken können, diese Bemerkung eines deutschen Politikers aus Bayern im Sommerloch.“
A.:„Sogar das Spanische Königshaus reagierte besorgt.“
A.: „Das Titelbild auf dem Spiegel: Deutsche Touristen hissen die deutsche Fahne an der playa von Mallorca.“
Szene nachstellen.

V.: „Als würden die Amerikaner eine Insel im Pazifik erobern.“
A. ironisch: „Die Verbrecher, wie Sie die Amerikaner nennen.“

Flugzeugträger einblenden.

V. hört nicht hin: „So etwas hat natürlich ein ernstes Nachspiel im Parlament der Balearen.“
A ui3wnbz.: „Wenn die deutsche Presse das über die eigenen Landsleute berichtet, muß es ja stimmen.“
V.: „Konquistadoren auf der Sandburg. Was für Eroberer.“
A.: „Gegen die eigene Presse in der Heimat kann sich der
deutsche Urlauber nicht wehren?“
V.: „Das fing ganz anders an.“
A.: “Wie denn?“
V.: „Als erste spießten wir, die mallorkinische Regionalpresse, die Überfremdung auf.“

A.: „National folgte dann El pais.“
V.: „Danach würden Sie nicht glauben, daß auf Mallorca
noch ein Mallorkiner lebt.“
A.: „Erst dann reagierte die deutsche Presse?“
V.: „So ist es. Auch wenn die früher schon von der Putzfraueninsel geschrieben haben.“
A.: „Als wäre Lieschen Müller auf dem Besen nach Mallorca geflogen?“
V.: „Genau von diesem häßlichen Image müssen wir runter.“
A.: „Ach, deutsche Putzfrauen dürfen keinen Urlaub mehr machen auf Mallorca.“
V.: „Obwohl es sich Schön darüber berichten läßt, daß wir
das nicht wollen, diese Art des Tourismus.“
A.: „Also auch eine Art Klassenkampf?“

V.: „Hören Sie doch damit auf.“
A.: „Jedenfalls der Umsatz stimmt, die Zeitungen verkaufen
sich.“
V.: „Wenn wir nicht mit dem palo gordo, dem dicken
Knüppel schreiben würden…“
A.: „dann läse Euch wohl keiner mehr.“
V.: „Natürlich müssen wir eins drauflegen.“
A.: „Repariert wird die Sache dann in Eurem Magazin für
die Deutschen.“
V.: „Die einen wissen nichts von den anderen.“
A.: „Gracias à dios!. Verdient Ihr denn gut daran?“
V.: „Fangt Ihr Schreiber denn nie an zu rechnen?“
A.: „Früher hattet Ihr nur mallorkinische Leser.“
V.: „Exakt. Jetzt dazu die Deutschen und die Briten.“

A. laut: „Ihr konntet Eure Leserschaft damit verdoppeln?“
V.: „Verdreifachen, wenn Ihr einmal rechnen würdet. Für
Wunder bedankt man sich nicht.“
A.: „Die deutschen Leser fallen Euch also in den Schoß.“
V.: „Wie die Engländer. Klar, daß wir den Einfall der Hun
nen natürlich nicht gut heißen.“
A. mit Unterton. „Achja.“
V.: „Sind Sie Österreicher?“
A.: „Cuan la lenya crema be, aigua o Vento Ve.“ („Wenn das
Holz brennt gut, Wasser oder Wind kommt.“)
Verleger zieht an seiner Zigarre, einem puro enorme aus Havanna, im Hintergrund die Plastik von Niki de Saint Phalle. Im Teich steckt bugüber ein Schiffchen aus Zeitungspapier, wie es die Anstreicher früher auf dem Kopf trugen. Der Titel der Zeitung ist gerade noch zu sehen: „Ultima gota“.“
* Anm.: „Letzter Tropfen“

V.: „Also diese Karikatur, dieser Ausruf hier in der Zeitung.
A.: Dios ampare a los chuetas.“
V.: „Soweit ist das ja gut gemeint.“
A.: „Gott

schütze die Abkömmlinge der christianisierten
Juden auf Mallorca …“
V. fährt fort. „… Wenn die Deutschen kommen. Ich weiß
nicht …“
A.: „Haben Sie tatsächlich nicht in Erfahrung bringen können, wer für den Nachsatz verantwortlich zeichnet?“
V.: „Da kommt es doch gar nicht darauf an.“
A.: „Das Stand ja in Spanisch da, in Kastellano.“
V.: „Eben, das hat doch kein Deutscher gelesen.“
A.: “Ach So.“

V.: „Aus dem Auseinanderstrebenden die Schönste Harmonie.“
A.: „Das sagt Heraklit.“
V.: „Das Stimmt noch heute, was der Mann vor Sokrates
gesagt hat.“
A.: „Die Saat geht auf.“
V.: „Man nannte Herklatit nicht umsonst den Dunklen, weil
man ihn schwer Verstand.“
A.: „Was geschah denn damals auf der Insel?“
V.: „Was meinen Sie?“
A.: „Warum mußten denn die Juden sich taufen lassen?“
V.: „Um Gottes Willen. Stellen Sie das nicht nach.“
A.: „Was denn?“
V.: „Sie verderben uns das Bild von der freundlichen Urlaubsinsel.“

A.: „Daß Ihr die Juden von den Zinnen in Palma herunter
geworfen habt?“
V.: „Auf den mittelalterlichen Darstellungen sieht das so
Schlimm doch nicht aus.“
A.: „Naja. Etwas naiv scheint das da schon dargestellt.“
Sprayer betritt die Bühne, sprayt weiter „Forastes fills de
putes“.
Abgeordneter Polizist, Spanier vom Festland, schreitet ein, weist den Sprayer auf Spanisch zurecht.
Sprayer schimpft in Mallorkin zurück: „Mecac en …“ 6
* Anm.: „Ich scheiße auf.“
Polizist rastet aus: „No me ladre“ („Bellen Sie mich nicht an.“)
Moderatorin: „Was folgt, können Sie sich unschwer vorstellen. Der Sprayer beschwert sich bei der regionalen Presse. Es entsteht ein Sprachenstreit. Der Polizist wird auf das Festland zurückversetzt, auf die peninsula.“
Demonstranten betreten die Bühne, tragen Transparente mit sich, inspiriert von einem gerade erschienen lokalen Roman:
„Nur ein toter Tourist ist ein guter Tourist.“
„Lesen Sie weiter im Roman von …“
Die Zeitungen hatten sämtlich über das Buch berichtet, ausgiebig aus dem neuen Roman zitiert.
V.: „Klar. Da steckt Sprengsatz drin.“
A.: „Das ist der Stoff, woraus Ihr die Headlines macht.“
V.: „Was wollten Sie mir nicht ersparen?“
A.: „Richtig. Die Sache mit den Fotos.“
V.: „Was ist denn das schon wieder?“
A.: „Das müssen wir in dieser Szene greifbar machen.“

Im Hintergrund die Szene in der Redaktionsstube der Zeitung.

V.:„Ach, hören Sie doch damit auf.“
A.: „Ich meine, was Ihr mit den Fotos von Kohl und Mitterand gemacht habt.“
V.: „Da hatten sich die europäischen Regierungschefs in Formentor getroffen.“
A.: „Wie konntet Ihr den deutschen Bundeskanzler mit dem
französischen Staatspräsidenten verwechseln?“
V.: „Das war keine Verwechselung.“
A.: „Was? Sagen Sie das noch einmal.“
V.: „Denken Sie doch einmal nach.“
A.: „Ah, Kohl sah aus wie der typische Bonvivant, war also
der Franzose.“

V.: „So ist es. Auf dem Foto paßt doch der Mitterand nicht
zu Frankreich.“
A.: „Das mußtet Ihr also korrigieren.“
V.: „Deshalb haben wir aus dem Spitzigen Gesicht von Mitterand den deutschen Bundeskanzler gemacht.“
A., ironisch:, Francaises, francais, je vous ai compris.**
V.: „Der Leser erwartet das von uns.“
A.: „Die Dinge müssen also zusammenpassen.“
V.: „Genauso macht es einen Schuh. Gleiches zu gleichem.“
A.: „Wenn es gar keinen deutschen Typus gibt?“
V.: „Dann machen wir uns einen.“
A.: „Das ist also Eure Aufgabe. Die Dinge sortieren.“

**Anm.: „Französinnen, Franzosen, ich habe Euch verstanden.“

Demonstranten treten auf. Spanische Eigentümer von Biergärten in Arenal. Auf den Transparenten:
„Wir wollen einen Dialog mit der Regierung.“
„Stoppt die Schließungen der Biergärten im Sommer.“
„Kein Nachbar wurde gehört.“
„Arbeitsplätze bedroht.“
A. erstaunt: „Was sagen Sie dazu. Die Biergärten gehören ja
gar nicht alle den Deutschen.“
V.: „Nun mal langsam.“
A.: „Ah, weil die Biergärten deutsche Namen haben.“
V.: „Legen wir fest die Hand darauf.“
A.: „Ein palo gordo für den Lärm, den ruido in der Bier
Straße.“
V.: „So wie es sich gehört.“

A.: „Wer ist den überhaupt die Regierung?“
V.: „Da fragen Sie noch? Wissen Sie das wirklich nicht?“
A.: „Ach lassen wir das lieber.“
V.: „Schauen Sie doch einmal nach Deutschland.“
A.: „Warum?“
V.: „Da sind Rundfunk und Fernsehen an die Regierung
gekommen.“
A.: „Das ist also das Ziel? Dort der Medienkanzler, hier …“
V.: „Es war aber eine Gemeinheit …“
A.: „Daß Ihr den Frühstückstisch vom neuen deutschen
Kanzler fotografiert habt.“
V.: „Als der auf Mallorca war und keine Zeit für die mallorquinische Presse hatte.“
A.: „Ist das Eure funktionale Erziehung?“

V. bohrt mit einem Palillo in den Zähnen: „Sagen Sie mal ehrlich. Hinterläßt man als Gast so den Frühstückstisch?“
Foto des Verlassenen Frühstückstischs einblenden.
Sprayer macht sich weiter auf der Bühne zu schaffen, sprüht.
Forastes fills deputes.“
A.: „Kommen wir nun zu dem Auftritt im S’era de pula.“
Im S’era de pula
Moderatorin: „Sehen Sie, da ist N´Antonia.“
Antonia, Schwarz gekleidet, spielt am Klavier, singt Aranjuez, während der Lärm immer Stärker wird und die Journalisten einfallen.

V.: „Da trafen sich die deutschen Journalisten.“

Barmann: …Conosces a los periodistas, los periodistas ooh, ooh. Las prostitutas, el champán, las mentiras?”
A.: „Ein deutscher Makler ließ den Moet et Chandon in
Strömen fließen.“
Barmann: „No me gustan los periodistas.” 9
V.: „In den deutschen Zeitungen waren die mallorkinischen
Grundstückspreise explodiert.“
A.: „Wie geht denn das?.“
V.: „Die haben den Quadratmeterpreis gleich um mehrere
hundert Mark noch oben gepuscht.“
Makler spritzt mit Magnumflaschen, 3 Liter, auf die Journalisten. Diese spritzen zurück.
Makler: „Mallorca ist das Modell Europas in Miniatur.“
8* Anm.: „Kennst Du die Journalisten, die Journalisten. Die Huren, der Champagner, die Lügen.“
9″ Anm.: „Ich mag sie nicht, die Journalisten.“

A.: „Um Gottes Willen. Was sagt der Mann?“
V.: „Die Szene im Sera de pula paßt sehr gut ins Konzept.“
A.:„Lassen wir das nachstellen.“
V.:„Der Eigentümer des Restaurants heißt Romeo.“
A.: „Der Wirt ist Aurelio.“
V.  „Den Namen der Zugehfrau kennen wir nicht.“
A.: „Eine freundliche Bäuerin mit Korb auf dem Feld.“
V.: „Wie auf dem Foto damals im Kaminzimmer.“
A.: „Wer war Sie?“
V.: „Ah, jetzt fällt mir der Name wieder ein.“
A.: „N’Andrea.“
V.: „Genau.“
A.:„Endlich sind wir uns einmal einig.“

V.: „Nicht so schnell.“
A.: „Wie Peitschenschläge hört es sich an.“
V.: „Als die deutschen Journalisten aus ihren Artikeln
zitierten.“
A.: „Die Zeitungen heftig umblättern. Mit einem Peitschen
knall.“
V.: „Ein Geräusch wie ein Peitschenknall.“
A.: „Was für Headlines die sich um die Ohren hauten.“
V.: „Deutsche kaufen die Insel auf.“

A.: „Topmodell zäunt Grundstück ein.“
V.: „Deutsche Mafia auf der Insel.“
A.: „Deutscher beißt pastor mallorquin.“ “
„Anm.: „Mallorkinischer Schäferhund.“

V.: „Das ist doch ein Witz.“
A.: „Ja. Aber nicht die nächste Headline.“
V.: „Mallorca. Das bessere Deutschland.“
A.: „Deutsche Verkaufen nur an Deutsche.“

V.: Inländer raus.“ (Nativos fuera “)
A.: „Die Schlagzeile gab es da noch nicht.“
V.: „Stimmt. Sie haben Recht“
A.: „Das wird ein mallorkinischer Künstler später den
Deutschen noch in den Mund legen.“
Foto des Schriftzuges auf dem Transparent am Berg in Cala Sant Vicenc einblenden, das Sierra gerade hat anbringen lassen.
V.: „Aber Deutscher brettert mit seiner Yacht durch die
Schiffsprozession visit this site.“
A.: „Man spricht Deutsch.“

V.: „Nun kommen Sie mir bloß nicht damit.“
A.: „Daß auch Mallorkiner ihre Fincas einzäunen.“
V.: „Daß die Spanier auf der Insel Spanisch Sprechen.“
A.:„Das will keiner hören.“
V.:„Wenn ein deutsches Topmodell ihre finca einzäunt.“
A.:„Das gehört sich also nicht?“
V.: „Überhaupt, wenn ein Deutscher ein Verbrechen begeht.“
A.: „Dann habt ihr es mit der Mafia zu tun.“
V.: „Natürlich. Das hat eine ganz andere Qualität.“
A.: „Ist die Mafia nicht eine italienische Sache?“
V.: „Der Anteil der Italiener auf der Insel ist gering.“
A.: „Von daher würde das nicht passen?“

V.: „Verstehen Sie das nicht?“
A.: „Im Sera de pula.“
V.: „Klopfen sich die deutschen Journalisten auf die Schenkel vor Lachen.“
A.: „Als sie sahen, wie die Zugehfrau im Soera de pula vor
Zorn bebte.“
N’Andrea zornig: „Der Mallorkiner tanzt nicht für Geld auf
dem Tisch.“
V.: „N´Andrea Schrie: ´Ihr Hurensöhne…`“
A.: „Ich werde es Euch zeigen, rief sie, von wegen Putzfraueninsel.“
Wütend vertreibt N’Andrea die Journalisten, den Makler aus dem S´era de pula, reckt ihren Strohbesen drohend.
N’Andrea: „Schreibt es Euch hinter die Ohren.“
V.: „Und sie verwünschte die Hurensöhne.“

A.: „Y menos putas, rief sie den Journalisten hinterher.“ l
V.: „Die Szene ist aber doch etwas hart. Müssen wir das
wirklich bringen?“
A.: „Das nehme ich auf meine Kappe.“
V.: „Hier schließt sich der Kreis.“
Der mallorkinische Künstler Nadal malt einen großen weißen Kreis auf den Boden.
A.: „Das ist der balearische Kreidekreis.“
V.: „Als wäre es das Bild von Nadal in der Bar Vom S´era
de pula.“
A.: „Wenn alle an der Insel zerren.“
V.: „Hätten wir bald landunter.“
A.: „Wir bräuchten jetzt einen positiven Kontrast.“
*  Anm.: „Und weniger Huren.“

V.: „Richtig. Die Welt besteht nicht nur aus Hurensöhnen.“
Sprayer sprüht unbeeindruckt weiter.
„Forastes fills deputes.“
A.: „Eine Ehrung muß her.“
Ein Capitellositz wird auf die Bühne getragen.
V. stolz.: „Die Stadt hat mir angetragen, wegen meiner
Verdienste.“
V. wirft sich in den marésfarbenen Sitz.
A.: „Sie zum Ehrenbürger zu ernennen. Zum hijo ilustre.“
V.: „Einmal die Zeitung für die Mallorkiner.“
A.: „Dann die Zeitung für die Deutschen.“
V.: „So verbinden sich die Welten.“
A.: „Jedem das Seine.“

Auftritt ein anderer Sprayer:
„Dios ampare a los chuetas.“
Sprüht dieser auf die Mauer am Ortseingang.
A. Zu V.: „Das wird unsere nächste Sorge sein.“
V.: „Jeden Vor jedem zu schützen.“
A.: „Dies soll Eure Charta sein.“
V.: „Ein palogordo für Jedermann, ein Siurell für Sie.“
Autor bedankt sich artig, pfeift auf dem grün/weiß/roten Siurell, das die Form eines kleinen Teufels hat.
Über die Insel donnern die Motoren der amerikanischen Flugzeuge, mit denen die nächsten Einsätze im Nahen OS
ten geflogen werden.
Moderatorin. an Publikum.: „Ich habe die traurige Pflicht
nachzutragen, daß NAndrea uns Verlassen hat. Sie liebte ihr S´era de pula, das frisch restauriert war, und sagte zuletzt: Ara que això està tan guapo, em moriré!*“*
Nachruf aus dem Pula-Magazin einblenden mit Foto von N´Andrea
Andrea jubiló su pequeno asno, guardó el carrito y cerró un capitulo.”
Moderatorin. Weiter: „N´Andrea hatte in der Ahnung ihres
nahen Todes ihren kleinen Esel aufs Altenteil gesetzt, den Eselskarren untergestellt und so die Geschichte abgeschlossen.“
Chor von mallokinischen Mädchen in Siruellgewändern singt auf das Einsatzzeichen der Moderatorin hin den Kinderreim:
„Deu deu deu.*“*
Jedes einzelne Wort Deu Verschieden intonieren.
„* Anm.: „Jetzt, wo alles so schön ist, werde ich Sterben.“
* Anm.: „Gott schuldet Zehn.“

Erster Sprayer Sprüht erneut und flucht: „Mecac en …“
Mädchenchor setzt erneut ein:
Deu deu deu.“
Ausklingen lassen.
Anmerkung: Innerhalb weniger Jahre haben es die SpaniSchen , mallorkinischen, deutschen Zeitungen und die Politik der Balearen Vermocht, auf der Insel Mallorca, die seit Jahrzehnten Vom Tourismus aller Art lebt, Fremdenfeindlichkeit Zu erzeugen, die es Vorher so nicht gab.